
Kennt eigentlich noch jemand MTV Stylissimo? Vielleicht kann man diese Spät-90er Sendung im wachsenden Trend-Schnelligkeitswahnsinn ja als Old-School abstempeln. Aber für mich gilt sie noch immer als eine der ersten Inspirationsquellen, um aus meinem jugendlichen Kleinstadtfenster in die große, weite Welt hinauszuschauen. Und das war damals ohne Internet, subventierte Jetset-Flüge und Mitfahrgelegenheit.de gar nicht so einfach.
Was mir Stylissimo damals zeigte, war der Catwalk der Straße. Man berichtete aus Amsterdam, NewYork, London und Berlin und zeigte eine junge, kreative und urbane Modeszene, welche vor allem auf Individualität setzte. Dabei war ich beeindruckt von den vielen günstigen Möglichkeiten, sich nicht von der Stange zu bedienen und verschiedenste Stile und Stilbrüche miteinander zu kombinieren. Mein Interesse für diese StreetCouture ist bis heute geblieben.
Doch ist es 2007 ungemein schwieriger individuell zu sein. Alles ist Hype und jeder Hype sofort wieder out. Die Second Hand Läden sind aufgekauft und zurück geblieben ist ein ganzer Batzen stinkender, ausgeleierter Klamotten. Und trotzdem, oder gerade deshalb ist der Stil der Straße heute umso interessanter. Es ist einfach schwieriger nicht einfach nur nach H&M oder Frontline auszusehen.
Berlin hatte bei dieser Suche schon immer eine Vorreiterrolle. Wenn man jetzt noch alle jedem Trend nachlaufenden Hipster subtrahiert, stößt man doch immer wieder auf schicke Ansätze das Straßenbild zu bereichern. Wer keine Zeit hat diese Ergebnisse in Ruhe von einem Straßenkaffee (man empfiehlt Napoljonska) aus zu begutachten, sollte mal bei Stil in Berlin reinklicken. Schon allein, um sich ein reales Modebewusstsein zu verschaffen, welches nicht durch Photoshop-Hochglanz-Marken Magazine beeinflusst ist.